Konzept & Struktur
Das Stück ist keine klassische Erzählung, sondern ein akustisches Musterbuch. Der Lebensweg eines „jungen Mannes“ wird als standardisierte Schablone vorgeführt: Kindergarten → Schule → Lehre → Militär → Büro → Ehe → Tod.
Jede Station wird sprachlich seziert, wiederholt, variiert, mechanisiert. Die Sprache selbst wird zur Schablone — Phrasen, Floskeln, Behördenjargon, Werbesprache, sentimentale Klischees prallen aufeinander.
Mayröcker und Jandl arbeiten hier mit radikaler Montagetechnik: Stimmen überlagern sich, Texte werden zerschnitten, Geräusche und Musik fungieren als rhythmische Schablonen.
Charakteristische Textpassagen
vom lehrling zum meister vom meister zum direktor
vom direktor zum generaldirektor vom generaldirektor zum
schablonenmenschen“ Friederike Mayröcker / Ernst Jandl
bitte unterschreiben Sie hier · bitte warten Sie
bitte kommen Sie wieder · bitte gehen Sie jetzt“ aus dem Stück
Entstehung & Kontext
Entstanden 1968–69 im Umfeld des Wiener literarischen Experiments (Wiener Gruppe, proto-avantgardistische Hörspielszene). Erstmals gesendet im ORF 1969.
Das Stück steht in einer Reihe mit anderen Gemeinschaftsarbeiten Mayröcker/Jandl:
- Fünf Minuten Hörspiel (1968)
- Der Ofen (1970)
- Schwarzes Lachen (1971)
- und später Solo-Arbeiten wie Mayröckers „Die Radiotrilogie“
„Karriere eines jungen Mannes als Schablone“ gilt unter Kennern als eines der konsequentesten Beispiele für konkrete Poesie im akustischen Medium.
Aktueller Stand des Archivs
Derzeit in Arbeit / Vorbereitung:
- Vollständiges Transkript mit Sprecherzuordnungen
- Fragmentarische Klangbeispiele (Ausschnitte)
- Kommentar- und Forschungstexte
- Zeitgenössische Rezensionen und Rezeptionszeugnisse
- Biografischer und werkgeschichtlicher Kontext
Wir suchen derzeit nach erhaltenen Tonbandkopien oder digitalisierten Masterbändern des ORF. Hinweise sind willkommen.